… das Tierschutzgesetz, gegen die Tierschutz-Schlacht- und Transportverordnung, gegen die Seuchen- und Hygieneverordnungen sowie gegen die Umweltschutzgesetze, wie sie Peta angezeigt hat, seien unzumutbar.
"Discounter- und Fastfood-Ketten sind den deutschen Konsumenten gegenüber sowohl rechtlich wie moralisch zur Rechtfertigung verpflichtet", erläutert Agrarwissenschaftler Dr. Edmund Haferbeck von Peta. "In einer modernen Gesellschaft darf Tierquälerei nicht toleriert werden!" Peta hat bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg Strafanzeige gegen die Verantwortlichen gestellt: die PHW-Gruppe, Wiesenhof (zur PHW-/Lohmann-Gruppe gehörig), die BWE-Brüterei Weser-Ems GmbH & Co. KG, Fa. WIMEX Agrarprodukte Import & Export GmbH sowie alle Personen, die bei der Durchführung dieser Tätigkeiten beteiligt (gewesen) sind.
Wiesenhof hat inzwischen die Rechtsverstöße zugestanden, so Dr. Haferbeck, verharmlose sie jedoch unerträglicherweise als Einzelfall. Doch wird aus Branchenkreisen eingeräumt, dass die tierquälerischen Zustände vor Ort nicht die Ausnahme sind, sondern die Regel. Peta hat bereits alle Fraktionen des Deutschen Bundestages aufgefordert, unverzüglich einen Untersuchungsausschuss einzurichten, um die unterlassene Gesetzgebung, die solche System-Quälerei ermöglicht, aufzudecken. Die momentanen und ehemaligen prominenten Werbepartner von Wiesenhof (z. B. Dieter Bohlen) wurden gebeten, sich öffentlich von der Tierquälerei zu distanzieren.
Peta weist darauf hin, dass Wiesenhof als Unternehmen QS-zertifiziert ist. Das blaue Siegel für "Qualität und Sicherheit" ist nach Ermittlungen von Peta die größte Verbrauchertäuschung, die Deutschland je erlebt hat. Neben tausenden Privatpersonen reagierte die Volkswagen AG in Wolfsburg als erstes Großunternehmen und bietet seither keine Wiesenhof-Produkte mehr in ihren Kantinen an, wörtlich: "Diese Art der Tierhaltung ist für unsere Firma absolut inakzeptabel!"
Wiesenhof distanziert sich online Ebenfalls als Pressemeldung:
www.wiesenhof-online.de: Nach den in den Medien laut gewordenen Tierquälerei-Vorwürfen bestätigen mittlerweile vier Veterinärämter die Gegendarstellung von Wiesenhof – darunter auch das für die betreffende Elterntierfarm in Twistringen zuständige Veterinäramt des Landkreises Diepholz. Bei einer Sonderprüfung der Twistringer Elterntierfarm stellte das Veterinäramt fest: "Bei der Kontrolle der Tierhaltung am 14.01.2010 zeigten die kontrollierten Tiere ein ungestörtes Allgemeinbefinden. Die hygienischen und tierseuchenrechtlichen Vorgaben hinsichtlich der Organisation und der Dokumentationspflichten wurden eingehalten."
Bereits Ende vergangener Woche bestätigten das Veterinäramt Vechta, das Veterinäramt des Landkreises Dahme-Spreewald sowie das Veterinäramt des Landkreises Havelland die Darstellung von Wiesenhof. Danach hat es in den dort ansässigen Elterntierbetrieben, die in den drei Landkreisen liegen und die wie die Elterntierfarm in Twistringen (Landkreis Diepholz) verpachtet sind, im Kontrollzeitraum (2008 und 2009) keine Verstöße gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen gegeben. Das belegen die Kontrollen der Amtsveterinäre. Die Schreiben liegen Wiesenhof vor.
Gegen die frühere Betreiberin der Elterntierfarm in Twistringen hat Wiesenhof am 12. Januar Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Verden gestellt. Von dieser Farm stammen die Aufnahmen, die in den Medien ausgestrahlt wurden. Das Vertragsverhältnis mit der Pächterin dieser Farm besteht seit November 2009 nicht mehr.
Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte sich Wiesenhof für das Fehlverhalten der Mitarbeiter und der Fremdfirmen entschuldigt. Außerdem hat sich das Unternehmen von den verantwortlichen Mitarbeitern getrennt, ebenso von Fremdfirmen. Darüber hinaus hat Wiesenhof seine umfangreichen bestehenden Kontrollen bei den Elterntierbetrieben deutschlandweit nochmals verschärft.
Peta erstattet Strafanzeige wegen falscher Anschuldigung
In Pressemeldungen der letzten Tage räumt der Geflügelproduzent Wiesenhof ein, dass in der BWE-Brüterei in Twistringen Tierquälereien begangen wurden. Gleichzeitig weist das zum PHW-Konzern gehörende Unternehmen eine Mitschuld weit von sich und beschuldigt im Gegenteil die Tierschützer, die die Tierquälereien am Montag öffentlich gemacht haben. Doch die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e. V. hat bereits mit der am 11. Januar 2010 eingereichten, umfassenden Strafanzeige gegen die PHW-Verantwortlichen Strafanzeige wegen falscher Anschuldigung gem. § 164 StGB erstattet. Jetzt nimmt PETA Stellung zu den falschen Anschuldigungen:
Anschuldigung: Es würde sich bei der Elterntierfarm nur um einen Zulieferbetrieb handeln - in Wirklichkeit gehört BWE zu 100% zur PHW-Gruppe.
Anschuldigung: Es seien keine Wiesenhof-Mitarbeiter, die so mit den Tieren umgehen - in Wirklichkeit handelt es sich bei dem Impftrupp tatsächlich um Wiesenhof-eigene, allerdings höchst fachunkundige Arbeiter. Nur beim Greifertrupp beim Ausstallen handelt es sich um Mitarbeiter einer Fremdfirma, allerdings wurde diese Firma auch von Wiesenhof ausgewählt und beauftragt.
Anschuldigung: Wiesenhof hätte sich von den Farmleitern getrennt - in Wirklichkeit wollten diese bereits vor Monaten aufhören, wurden jedoch von Wiesenhof dringend gebeten, doch den Durchgang weiterzumachen. Die Farmleiter haben von sich aus gekündigt.
Anschuldigung: Die Farmleiter wären verantwortlich und hätten Wiesenhof und die Behörden über die Tierquälereien informieren müssen - in Wirklichkeit haben die Farmleiter wiederholt und auch mit Nachdruck die Wiesenhof-Verantwortlichen auf die ständig vorkommenden Verstöße aufmerksam gemacht. Keiner hat im angemessenen Rahmen reagiert.
Anschuldigung: Die Farmleiter wären von PETA instrumentalisiert worden. Es seien PETA-eigene Leute, die auf den Videoaufnahmen so brutal mit den Tieren umgehen – in Wirklichkeit kannte PETA die Farmleiter bis zur Kontaktaufnahme durch sie selbst gar nicht. PETA Tierquälerei zu unterstellen ist nicht nur infam, sondern wird strafrechtliche Konsequenzen für Wiesenhof und für die sie betreuende PR-Agentur haben.
"Wiesenhof wurde mit heruntergelassener Hose erwischt", so Agrarwissenschaftler Dr. Edmund Haferbeck. Die von PETA in einer monatelangen Recherche aufgedeckten branchentypischen, unerträglichen Vorgänge in der Wiesenhof-Elterntierfarm könne die Firma weder schönreden noch bestreiten.
[Der o.a. Text gibt den Stand am Dienstag, den 26. Januar 2010 zur Zeit der Erfassung zum Thema "Peta: Aldi, Lidl und Co. sollten Wiesenhof überprüfen" wieder. Eventuelle spätere Veränderungen wurden (noch) nicht berücksichtigt.]
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